27. März 2022

https://twitter.com/DieMaus/status/1508010898027384837?s=20&t=jBVkEhbx1gni0TbuZL9Y6A

Es gibt ja, grob gesagt, zwei Möglichkeiten, durchs Leben zu gehen: Entweder wie die Maus. Oder wie Julian Reichelt.

Entweder möchte man die Welt ein Stück weit besser machen. Durch sachlich-freundliches, den Menschen und dem Menschsein an sich zugewandtes Erklären. Durch das Vorleben von Großmut, Toleranz und Wissbegier. Durch das Werben für ein friedliches Miteinander, für intelligenten Umgang miteinander. Auch emotional.

Oder man möchte die Welt brennen sehen.

Momentan leben wir in der trügerischen Vorstellung, das Gute würde immer gegen das Böse gewinnen. Der ukrainische Präsident ist der Gute, der russische Präsident verkörpert das Böse. Und für dessen eigentlich haushoch überlegene Armee läuft es nicht halb so gut, wie man es von außen eigentlich erwarten würde. Ob das aber zu dem Happy End führt, das ja auch wir Erwachsenen so gerne als Fazit von allem, als letzten Schriftzug vor unserem inneren Auge vor unserem letzten Atemzug sehen möchten – das ist dann laut Militärexperten ja doch äußerst fraglich.

Julian Reichelt, der einen sehr guten Job darin macht, durch und durch böse zu wirken, ist rausgeflogen bei Springer. Nachdem er jahrelang nicht mal mehr nur gezündelt hat, sondern einen Kanister Benzin nach dem anderen vergossen. Thema? Egal. Flüchtlinge? Sympathie bringt keine Klicks, also lieber dagegen schreiben (ich formuliere das hier vorsichtig, Anwälte sollen an mir nichs verdienen). Eine für manche Menschen lebensbedrohliche Pandemie? Die vernunftbegabte Leserschaft greifen die Publikationen aus anderen Verlagen schon ab, also bedient Reichelts Reich die anderen. Ein Kind, dessen Geschwister soeben getötet wurden? Klickt immer, also veröffentlicht die Bild unter Reichelt WhatsApp-Nachrichten des Jungen, der Unfassbares erleben muss.

Gehen musste Reichelt letzendlich dann wegen Machtmissbrauchs, früher nannte man das beschönigend Frauengeschichten. Nun zündelt Reichelt also von außen weiter, einen Kanister hat er nicht mehr, der Posten als Chefredakteur ist ja weg.

Und was macht die Maus? Was machen sehr gewitzte Social Media-Leute in der Maus-Redaktion? Sie bleiben cool, sie bleiben sich treu. Sie gehen auf Reichelts Tweet ein, das schon. Aber: freundlich, informativ, Reichelt den Weg weisend. Den rechten Pfad. Der trägt den Namen wdrmaus.de. Nennen noch das Wort „Toleranz“, ohne ihm explizit vorzuwerfen, dass es ihm daran fehle. (Ein sehr smarter Move. In diesem Moment fällt mit diese Geschichte ein: Doris Schröder-Köpf mahnte neulich öffentlich an, ihren Ex-Mann und unseren Alt-Kanzler nicht in eine Reihe mit Hitler zu stellen. Was bis dahin übrigens niemand getan hatte. Erst sie. Aber nur, um das zu verhindern. Rache ist süß. Intelligente Rache ist Zucker pur.)

Die Maus ist supernett, aber nicht superdumm. Oft wird das ja miteinander verwechselt. Dabei sehen wir: Kill ‚Em With Kindness ist die Losung der Stunde. Schönen Sonntag.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen. YouTube wird dabei Daten übermitteln und eigene Cookies setzen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube (öffnet in neuem Tab).

Ähnliche Beiträge

  • 20. Mai 2022

    Heute am frühen Abend bin ich auf dem Balkon eingeschlafen. Im Sitzen. Erst ein einen Basketball während des Schlenderns dribbelnder Teenie weckte mich auf. Sonst säße ich immer noch da. Die Woche war anstrengend, weil zerfasert. Nichts macht mich müder als fragmentiertes Arbeiten. Die eine Hälfte des Tages dies, die andere das, zwischendurch noch Unvorhergesehenes,…

  • Tschüss, Waschmaschine – oder: Wachstumsschmerzen

    Der erste Tag des Jahres. Meine erste Amtshandlung nach dem Aufwachen: die Öffnungszeiten des benachbarten Waschsalons googeln. Denn 2023 hat auch für mich Neues bereitgehalten. Erstens Läuse. Hatte ich vorher noch nie. Und mein Bestreben, Routine zu entwickeln im ölige Substanzen auf meinen Kopf Kippen, mich dauernd mit einem sehr feinen Kamm zu kämmen und…

  • 11. Mai 2022

    Die Kritik an Christine Lambrecht reißt nicht ab – und nun ist er wieder da: der Spin, es handle sich um Frauenfeindlichkeit. Den gab es ja auch schon bei Anne Spiegel. Da sei es um Vereinbarkeit gegangen, darüber sei die inzwischen ehemalige Familienministerin gestolpert, hieß es. An der ja unzweifelhaft unfairen Verteilung von mental load…

  • 13. April 2022

    Heute, beim Verlassen des Senders gegen 21 Uhr, registrierte ich erst durch ihre Nichterfüllung eine zuvor gehegte Erwartung: die, bei Kontakt mit dem Draußen zu frösteln. Ich trug ein kurzärmliges Kleid und darüber einen Sommermantel. Das Anziehen der Strickjacke hatte ich beim Taschepacken, Maskeaufsetzen und Büroabschließen vergessen und dann aus Faulheit verschoben. War aber gar…

  • 10. Mai 2022

    Stolperfalle Sohn, Stolperfalle Social Media, Stolperfalle: Medienkompetenz. Alexander Lambrecht ist mit seiner Mutter, der Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, gemeinsam im Hubschrauber geflogen. Geflogen, Gepflogenheiten – Stand jetzt ist die Ministerin rechtlich nicht zu belangen. Die ohnehin um sie tobende Debatte, um Stilfragen, um Führungsfragen, um Fingerspitzengefühl, wird durch das Foto oben befeuert. Eine Frage aber kommt…