20. April 2022

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen. YouTube wird dabei Daten übermitteln und eigene Cookies setzen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube (öffnet in neuem Tab).

Xavier Naidoo gehts wieder besser. Er ist jetzt kein Antisemit mehr, nicht mehr homophob, er hängt keinen Verschwörungsmythen mehr an. Fragten sich Fans spätestens seit Beginn der Pandemie – ja, es gibt eine Pandemie – oft bang, ob ihr Idol womöglich der nächste Promi sein würde, der durchdreht und wirre Videos verbreiten, scheint Naidoo gegen den Wendler-Nena-Strom zu schwimmen. Behauptet er jedenfalls im Video. Kein leichter Weg, sollte er ihn tatsächlich eingeschlagen haben.

Aber geht das? Kann man sich so tief verirren im Dickicht des Wahnsinns und dann doch wieder herausfinden? Oder sind es nicht viel mehr ganz profane Motive, die Naidoo zur Rückkehr in die Welt der Zurechnungsfähigen trieben? So was wie der Dispo? Oder Sehnsucht nach Anerkennung von Leuten, die nicht spinnen?

Fragen, die auf der Hand liegen. Die man auch gar nicht vergessen muss, während man gleichzeitig auch die Frage stellt: Könnte es nicht tatsächlich so sein, wie Naidoo sagt? Kann man nicht abwarten, einkalkulieren, dass hinter seinem Move wiederum Kalkül steckt, und gleichzeitig naiv hoffen, dass er wirklich anders denkt?

Xaidoo könnte (Konjunktiv) ein Vorbild sein und andere darin ermutigen, ihre Blase zu verlassen. Und wir, die wir es nicht nötig haben, entweder kein Wort davon zu glauben oder aber alles davon zu glauben und nie wieder kritisch zu hinterfragen, könnten die Brücke sein für Leute, die zurückwollen. Es ist ja nicht so, dass man in dem Moment, in dem man in Erwägung zieht, jemand hätte umgedacht, in komplette Naivität umswitcht. Es gibt ja etwas, sehr viel sogar, zwischen Zynismus und kindlicher Gutgläubigkeit. Vorsichtig abwarten, misstrauisch abwarten. Neugierig abwarten. Verhalten abwarten. Hoffnungsvoll abwarten. Oder eben einfach nur: abwarten.

Ähnliche Beiträge

  • 12. März 2022

    Sehr grob zusammengefasst, ist die Lage unverändert. Putins Soldaten rücken weiter vor, kämpfen, töten. Die Ukrainer wehren sich, so gut es geht. Besser als zu Beginn dieses Wahnsinns von aller Welt gedacht. Ihr Präsident Selenskij ist weiterhin in aller Munde. Sein heldenhafter Kampf für das vergleichsweise kleine Land, das er regiert und das Opfer eines…

  • 31. März 2022

    Vor vielen Jahren, 2008, war ich Wellenreiten in Portugal. Das war kein Spaß, vor allem die ersten Tage nicht. Neopren-Anzüge sind nur beim ersten Anziehen ok; ab Tag zwei sind sie klamm und verfügen über eine raue Salzschicht, ab Tag drei schürft man sich an ihnen beim Anziehen die Fingerknöchel aus. Das Anziehen selbst liegt…

  • Es ist egal, aber…

    Und wieder sind meine Timelines voll mit der Debatte, ob die AfD verboten werden man Twitter verlassen soll. (Vorab: Für mich ist das Twitter. Wenn jedes Mal, erwähnt man X, der Zusatz „Vormals Twitter“ notwendig ist, ist es ja auch mit der Neubenennung nicht optimal gelaufen.) Der Deutschlandfunk verlässt Twitter, und es gibt viel Kritik…

  • 14. März 2022

    Eine Frau Mitte 50 und ihre Kinder (Mitte 20 und ein kleiner Nachzügler von zehn Jahren) wohnen seit einigen Tagen bei meiner Bekannten Jekatarina und ihrer Familie. Heute traf ich Jekatarina zufällig und fragte, wie es allen ergeht. Und sie erzählte das da oben. Und ich war kurz wieder in Gaza. Diese Starrheit, von der…

  • Mieterinnen-Explosion in the making

    Die Mieten explodieren. Das ist leider Realität, und das ist furchtbar, aber das ist keine Neuigkeit. Demnächst aber werden Sie womöglich von einer Mieterinnen-Explosion hören. Da wird es dann wohl um mich gehen. Und vielleicht auch um andere Mitglieder eines Mietervereins. Lesen Sie selbst: Ich habe vor acht Jahren einen Mietvertrag mit einer inzwischen ja…