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Anzeigen? Ankreiden? Oder lass ich’s lieber sein?

Zwei Vorfälle. Zwei Ausfälle. Zwei Frauen. Eine Frage.

Fall eins: Jemand auf X bezeichnet mich als F****. Meine jahrelange Erfahrung mit dem vermeintlichen Mob lässt mich einen Screenshot erstellen. Den gebe ich dann an die tollen Leute von HateAid weiter – falls ich es nicht vergesse. Das kann schon mal passieren: Zwar deutet meine Routine (richtigerweise) darauf hin, dass so etwas wie diese Entgleisung öfter mal vorkommt. Aber auch nicht jeden Tag. Normalerweise sind diese Incel-Männer, die mir sowas aus ihrem seit 45 Jahren von ihnen bewohnten Kinderzimmer schreiben, schlau genug: Sie schreiben am Justiziablen haarscharf vorbei.

Ich mache erstmal gar nichts, weil ich tatsächlich mit anderem Kram beschäftigt bin. Nämlich mit Freihaben. Ich habe mir drei Monate unbezahlten Urlaub genommen und komme damit wirklich nicht SO gut zurecht. Zumindest bin ich sehr schlecht darin, meine Tage zu strukturieren und zerfasere ein bisschen. Egal, ich schweife ab.

Zwei Wochen später dann eine große Überraschung: Post von einer Anwältin. Eine vorbeugende Unterlassung. Kannte ich bis dato nicht. Aus der die zweite, für mich noch größere Überraschung deutlich wurde: nix da Incel, nix da der 45-jährige Rainer im fleckigen Unterhemd, der immer noch bei Mutti wohnt. Hinter dieser Obszönität und hilflosen Entgleisung steckte eine Frau. Ich präzisiere: eine wohl jetzt doch etwas aufgeschreckte Frau. Eine, die zur Anwältin gelaufen war, um mir proaktiv ausrichten zu lassen, sie würde sowas nicht noch mal tun.

Die Frau, die sich nicht zu schade für dieses primitivste aller Worte gewesen war, ist mir durch das Schreiben ihrer eilends mandatierten Anwältin nun bekannt. Mit Klarnamen, mit Adresse. Lassen wir mal den Fakt außen vor, dass ich es äußerst befremdlich finde, so krass aus der Rolle zu fallen UND als Frau eine andere Frau dermaßen zu beschimpfen – eine kurze Google-Recherche ließ mich weiter staunen: Die Dame Frau führt ein mittelständisches Unternehmen und ist in der Politik aktiv. In einer bürgerlichen Partei.

Wäre ich sie, wäre ich auch zur Anwältin gegangen. Denn der thüringische Ort, in dem sie Chefin ist, ist klein. Und auch, wenn ich regelmäßig von der Verrohung unserer Gesellschaft spreche, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es inzwischen schon komplette Landstriche gibt, in denen ein solches Verhalten salonfähig ist. Und in der FDP sicherlich auch nicht.

Da ist es nicht dumm, schnell zu versichern, dass man die Kontrolle nicht noch mal dermaßen verliert, und mich entweder so daran hindert, sie anzuzeigen, oder aber – falls schon geschehen, konnte sie ja nicht wissen – im Zweifel auf Strafminderung zu pochen, weil man ja reuig ist. War der Mann, der mich „Hure“ nannte, vor Gericht übrigens auch. Deshalb sprach die Richterin ihn frei. Die Richterin, die fand, ich solle mich im Netz auch mal zurückhalten. Er hatte mich aufgrund meines Nazi-Tweets so beschimpft. Völlig logisch, das rutscht einem schon mal raus, und ich hab es ja schließlich provoziert. Nazi-Tweets sind der kurze Rock unter social media-Postings. Die Richterin hat also klug entschieden, keine Frage. Der Mann hat bis heute, fast zwei Jahre später, übrigens nicht die ihm aufgebrummte Zahlung an eine gemeinnützige Organisation geleistet. Die 4000 Euro betragen sollte. Einen Monats-Netto-Lohn. Auch er also kein Loser. Ich applaudiere einmal mehr für die weise Entscheidung der Richterin. Nicht.

Zurück zum Thema: Zeichne ich die Thüringerin nun an, oder lasse ich es sein? Schwierige Frage, finde ich. Denn einerseits erwarte ich von Leuten, dass sie sich im Griff haben. Andererseits will ich aber natürlich auch niemandem nachhaltig schaden. Ich grüble noch.

Fall Nummer 2: Eine Frau (ebenfalls aus Thüringen, machen Sie daraus, was Sie wollen), die mir „Halt’s Maul“ auf Instagram schrieb. Ich bin keine Mimose und auch keine Prinzessin auf der Erbse. Diese Frau ist nur leider dermaßen doof, dass sie mir erstens öffentlich geschrieben hat und zweitens ein öffentliches Profil dort besitzt, aus dem unter anderem hervorgeht, dass sie in einem Jugendclub arbeitet. Wie mir ein aufmerksamer Leser heute schrieb, ist sie verantwortlich für ab 10-Jährige. Ich sag mal so: Ich bin keine Pädagogin, aber als Vorbild fungieren sollten solche Leute doch eigentlich eher nicht, oder?

Nun die Frage: Was macht man da? Schulterzucken? Was sagen?

Erstmal wundere ich mich. Und dann sehen wir weiter.