Pöbeln, aber richtig

  1. Sie wollen jemandem nachweisen, dass er oder sie mit zweierlei Maß misst? Recherchieren Sie.
  2. Sie wollen jemandem nachweisen, dass er oder sie einen Fehler gemacht hat? Recherchieren Sie.
  3. Sie wollen jemandem nachweisen, dass er oder sie etwas verschweigt? Recherchieren Sie.
  4. Sie wollen jemandem nachweisen, dass er oder sie sich selbst widerspricht? Recherchieren Sie.
  5. Sie wollen jemandem nachweisen, dass Sie cleverer sind als er oder sie? Seien Sie es.
  6. Sie wollen jemandem ausschließlich aus Antipathie einen reindrücken? Verzichten Sie auf die Recherche. Zeitverschwendung. Ihnen werden trotzdem Leute applaudieren.
  7. Sie wollen einfach nur Recht behalten? Verzichten Sie auf die Recherche. Zeitverschwendung. Ihnen werden trotzdem Leute applaudieren.
  8. Sie wollen einfach nur Applaus? Dann ist egal, was Sie schreiben. Entscheidend ist das Wie. Direkt angreifen, Behauptung aufstellen, die irgendwelches Schubladen-Denken erfüllt – wenn nicht, auch nicht so schlimm – und entschlossene Satzzeichen verwenden. Punkte oder gar Fragezeichen sind was für Mastodon.
  9. Sie wollen Applaus von den billigen Plätzen? Berücksichtigen Sie Punkt 8, addieren Sie ressentimentgeladene Aussagen und vermeiden Sie Fremdwörter wie „Ressentiment“.
  10. Ihnen ist es nicht egal, woher der Applaus kommt? Befolgen Sie die Punkte 1 bis 5. Und, ganz wichtig auch: Können Sie diese nicht befolgen, twittern Sie nicht. Fällt schwer, ist aber möglich.
  11. Sie wollen sich komplett zum Idioten machen? Vermeiden Sie unbedingt die Punkte 1 bis 5.
  12. Sie wollen sich noch mehr zum Idioten machen? Geben Sie sich den Anschein, die Punkte 1 bis 5 berücksichtigt zu haben. Liefert Ihnen jemand den Gegenbeiweis, stellen Sie halt auf Durchzug. Twittern Sie weiter, aber einfach nicht mehr direkt mit oder zu der von Ihnen angepöbelten Person. Ihnen werden trotzdem Leute applaudieren.

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