F*ck Putin 🌻

Heute war ein spitzenmäßiger Tag, quasi eine Tag gewordene Werbung für erfolgreiches Erwartungsmanagement: Die völlig unfähige Wetterapp hatte für den ganzen Tag Regen vorhergesagt. Man war also auf das Schlimmste vorbereitet. Heute Morgen zeigte die Sonne der App dann einen bestens gelaunten Finger. Also sind alle ganz schnell raus.

Insgesamt hat es mit Unterbrechung 1,5 Stunden geregnet. Die haben wir in einem wirklich guten, sehr west-deutschen Gasthaus in Dahlem verbracht. Bis auf „Klar können Sie Nudeln statt Pommes zum Schnitzel haben, kostet aber 4 Euro extra“ war es da tippitoppi. (Die Nudeln wollte ich dann nicht, es hackt wohl.)

Den Rest des Tages stapfte ich mit einigen un-hackenden lieben Menschen über einen großen Bauernhof, der zum Erntedankfest eingeladen hatte. Um uns herum wurden selbstgemachte Bonbons verkauft, Kinder ritten auf glücklichen nicht-Kirmes-gequälten Ponys, Leute ernteten Kartoffeln und Kürbisse zum Selbstkostenpreis, ein Hahn krähte wie bestellt, Kühe muhten, ein Kälbchen niedlichte im immer noch grünsten Gras herum, umrahmt war das Ganze von sich rot färbenden Bäumen. Ich kam mir vor wie in Stars Hollow.

Bis auf ein Detail: Nachdem wir in der Runde, die zum Teil mit den Öffis angereist war, geklärt hatten, ob dort Masken kontrolliert worden waren (ja, hackt’s denn; natürlich nicht, wir sind hier in Berlin, man hatte nur die Tickets kontrolliert), abgeglichen, wer schon heizt und wer noch nicht, sagte jemand: „Putin setzt keine Atomwaffen ein. Ich bin mir sicher. Oder?“ Da hatten wir den oben abgebildeten Wagen gerade passiert. Ich bin dann noch mal die paar Schritte fürs Foto zurück. Es passt ja perfekt.

Wir haben ein bisschen diskutiert. Und es dann wieder gelassen. Wer guckt schon in Putins Kopf? Und vor allem: Wer hat schon Lust auf solche Gedankenspiele? Wenn man gerade essen war und ausnahmsweise mal nicht von der Bedienung angeblafft worden ist, nur weil man is(s)t.

Das Absurdeste aber: Die Stimmung danach war nicht nachhaltig getrübt. Wir hatten das Thema nicht zum ersten Mal. Der Mensch gewöhnt sich. Fast an jeden Wahnsinn. Das ist wohl unser Finger in Richtung Putin.

Ähnliche Beiträge

  • 19. April 2022

    Nächsten Freitag ist hier in Berlin großer Ball, und ich gehe hin. Stand jetzt. Stand jetzt habe ich aber noch kein Kleid. Ich gehe gern auf Bälle, aber ich gehe ungern shoppen. Lieber jäte ich Unkraut oder schrubbe die Fugen im Badboden mit einer Zahnbürste. Allerdings ist alles, was ich online bisher gesehen habe, entweder…

  • Tschüss, Waschmaschine – oder: Wachstumsschmerzen

    Der erste Tag des Jahres. Meine erste Amtshandlung nach dem Aufwachen: die Öffnungszeiten des benachbarten Waschsalons googeln. Denn 2023 hat auch für mich Neues bereitgehalten. Erstens Läuse. Hatte ich vorher noch nie. Und mein Bestreben, Routine zu entwickeln im ölige Substanzen auf meinen Kopf Kippen, mich dauernd mit einem sehr feinen Kamm zu kämmen und…

  • 2. April 2022

    Ritter Sport liefert weiter nach Russland. Und begründet das mit ansonsten zu massiven Problemen, die es den eigenen Angaben nach als mittelständisches Unternehmen schwer stemmen könnte. Das Unternehmen veröffentlichte vorgestern eine Erklärung, es wolle jeglichen Gewinn aus dem laufenden Russland-Geschäft an humanitäre Hilfsorganisationen spenden. Dem ukrainischen Botschafter in Deutschland kann das nicht reichen. Es geht…

  • Hallo U-Boote! Oder: Vielleicht tut Musk uns allen ja einen Gefallen!

    „Es ist nahezu unmöglich, den aktuellen Stand zusammenzufassen, ohne kurz darauf schon wieder von der Realität überholt zu werden.“ Julia Jäkel schreibt in der Süddeutschen über Twitter unter Musk. Das ist bemerkenswert, zumal die Online-Süddeutsche den Gastbeitrag (Paywall) der ehemaligen Chefin von Gruner & Jahr sogar zum Aufmacher machte. Jäkels Kernbotschaft, unmissverständlich zusammengefasst in der…

  • 27. April 2022

    Als ich heute Morgen aus dem Haus trat, bot sich mir ein ungewohntes Bild: Leere. Die Fahrräder und Autos der Nachbarn, und zwar so gut wie aller Nachbarn – weg. Alle im Büro. Wie früher, vor Corona. Ich weiß nicht, wann das passiert ist. Dinge geschehen ja allermeistens nur in unserer Phantasie Knall auf Fall,…

  • 2015 darf sich nicht wiederholen

    2015 kamen viele Menschen nach Deutschland. Sie kamen aus Syrien, aus Afghanistan. Aus dem Irak, aus anderen Staaten. Flüchtlinge? Migranten? Ein großer Unterschied. An die Begriffe „Flüchtling“ und „Migrant“ drücken unterschiedliche Sachverhalte aus, an die rechtliche Fragen geknüpft sind wie etwa asylrechtliche. An beide Begriffe sind, so sie korrekt verwendet werden, neutrale und sachliche Aussagen…